Aus der E-Mail einer Kundin: „Die Vorgaben, wie die Einleitung einer Diplomarbeit aufgebaut werden muss, haben mir ja sehr geholfen. Hätten Sie auch für das Fazit so einen Leitfaden? Oder kann man da einfach drauflos schreiben?“
Nein, das kann man natürlich auch hier nicht – wie an keiner Stelle einer Abschlussarbeit. Im Gegenteil – gerade das Fazit (die Zusammenfassung, das Resümee) sollte man besonders sorgfältig formulieren. Denn es wird, ebenso wie die Einleitung, mit Sicherheit gründlich gelesen. Hieran zeigt sich deutlich, was im Verlauf der Untersuchung insgesamt erreicht werden konnte – insofern fasst das Fazit den Gehalt der Zwischenresümees abschließend zusammen. Gemeinsam mit der Einleitung bildet es den Rahmen der Untersuchung; alle Fragen, die zu Beginn aufgeworfen wurden, sollten dort beantwortet werden.
Insofern kann ein Fazit nicht nur eine Wiederholung von Versatzstücken aus der inhaltlichen Erarbeitung sein – häufig bestehen die uns vorgelegten Resümees tatsächlich einfach aus neu montierten Textbausteinen. Das kann nicht funktionieren – die übergeordnete Ebene der Betrachtung verlangt eine neue Perspektive auf das Erarbeitete, das nun unter Rückgriff sowohl auf die übergeordnete Fragestellung als auch auf die konkreten Untersuchungsschritte abschließend bewertet wird. Die entsprechenden Kontrollfragen lauten also:
- Welche Ergebnisse wurden hinsichtlich der Fragestellung erzielt?
- Welche konkreten Schritte haben das jeweilige Ergebnis erbracht?
Dies mag bis hierhin noch relativ abstrakt klingen. Die folgenden Formulierungsvorschläge verdeutlichen, worauf es beim Fazit für eine Diplomarbeit oder eine Bachelorarbeit ankommt:
- Ziel der vorliegenden Studie war es, …
- Zu diesem Zweck wurde … [aber nur kurz, auf keinen Fall einen retrospektiven Überblick über alle Kapitel liefern]
- Dabei ergab sich, dass … Denn …
- Was die … betrifft, so konnte anhand … gezeigt werden, dass …
- Andererseits musste festgestellt werden, dass …
- Zwar kann anhand dieses Befundes darauf geschlossen werden, dass …, doch gilt dies, wie anhand … gezeigt werden konnte, nur unter folgender Einschränkung: …
- Abschließend [oder: Insgesamt] kann festgestellt werden, dass die Frage, ob …, differenziert beantwortet werden muss. Einerseits … Andererseits … Somit …
Wichtig also:
- argumentieren, nicht einfach wiederholen
- auch hier möglichst viele sinnstiftende Konjunktionen wie weil, da, daher, obwohl, zwar, denn, indes usw. verwenden
- die Ergebnisse unter Rückgriff auf die konkreten Untersuchungsschritte diskutieren
- einen sinnvollen Abschluss finden
Weitere Vorgaben für ein Fazit:
- Es sollte bei einer 60- bis 80-seitigen Arbeit möglichst nicht mehr als zwei Seiten umfassen; anderthalb Seiten genügen in den meisten Fällen. Hier geht es ja zum Glück nicht mehr ums Seitenschinden, sondern darum, einen Text zu verfassen, der frei von jedem Ballast ist.
- Dies impliziert, dass Verweise auf die Literatur inklusive Quellenbelege im Normalfall (es gibt sicherlich Ausnahmen, etwa wenn eine bestimmte Forschungshypothese im Mittelpunkt stand) in einem Fazit nichts zu suchen haben. Hier hat die Verfasserin bzw. der Verfasser das – letzte – Wort.
- Wichtig ist auch, dass hier keine neuen inhaltlichen Fässer mehr aufgemacht werden sollen – was bis hierhin nicht relevant war, schafft das an dieser Stelle auch nicht mehr.
- Das gilt natürlich nicht für einen evtl. geforderten sogenannten Ausblick, der jedoch häufig nur Alibi-Funktion hat. Beim Ausblick sollte darauf geachtet werden, dass er ans Erarbeitete anknüpft und nicht etwas mehr oder weniger Plausibles aus der Luft greift.
- Der letzte Satz ist wichtig. Er sollte also nicht einen nachgeschobenen unwichtigen Aspekt enthalten, sondern finalen Charakter haben, etwa (siehe oben): „Insgesamt lässt sich hieraus der Schluss ziehen, …“ oder, im Falle eines Ausblicks: „Insofern steht zu hoffen, dass sich in Zukunft …“
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